#trotzdem


Ich war dieser Tage bei meinem ersten Konzertstream. Also auf der Couch. Thees Uhlmann (sehr zu empfehlen!) live im Pier 2 aus Bremen. Coole Sache so mit
Chips und Füße hoch. Ich hatte meinen Spaß. Aber schon nach dem ersten Lied bekam ich den Eindruck, dass dem Frontmann was fehlt. Der Applaus. Die Reaktion. Das Mitgrölen. Blicke, die sich treffen. Sprüche, über die keiner lacht. Diese Stille zwischen den Songs. TROTZDEM zieht er durch. Und bescherte damit vielen seiner Fans und denen, die einfach Livemusik mögen und interessiert dabei waren, oder jenen, die einfach die darbende Musikszene unterstützen wollten, einen schönen Abend. TROTZDEM.
Trotz alle dem. „Trotz“ ist so negativ behaftet. „Trotzkopf“, die Eltern können von der „Trotzphase“ ein Liedchen pfeifen. Trotz kann aber auch positiv gemeint sein, vom Ursprung her war er vergleichbar mit Standhaftigkeit. Solange man niemand anderem schadet, ist ein gesundes Maß an Trotz gar nicht verkehrt. Gerade jetzt ist es doch dran – allem Verständnis für den eigenen Selbsterhaltungstrieb, der Müdigkeit und Ärger – TROTZDEM standhaft zu bleiben und für die Gemeinschaft einzustehen. Aus diesem Grund ist „querdenken“ für mich kein Trotz! Denn „Querdenken“ hat nichts mit Solidarität zu tun.
Aber warum TROTZDEM? Weil ich an diese Gemeinschaft glaube. Auch an die christliche Gemeinschaft. Jesus hat auch getrotzt. Den Hohepriestern, den Römern, dem System, der Ungerechtigkeit. „Geh da nicht hin!“ hat man ihm gesagt – er hat es TROTZDEM getan und ist auf die Kranken, Alten, Aussätzigen und wer da sonst noch so alles am Rand der Gesellschaft stand, zugegangen. Und er wusste genau, wie das enden würde. Und er hat es auch durchgezogen. TROTZDEM!
Und viele danach taten es ihm gleich. Von Mutter Teresa zum Beispiel ist Folgendes überliefert:

„Die Leute sind unvernünftig, unlogisch
und selbstbezogen, liebe sie trotzdem!
Ehrlichkeit und Offenheit machen dich verwundbar, sei trotzdem offen und ehrlich!
Das Gute, das du tust, wird
morgen vergessen sein, tue trotzdem Gutes!“

Wer weiß schon was kommt. Was aus uns wird. Und TROTZDEM! Hauptsache wir bleiben Menschen. Mitmenschen. Die sich sehen, füreinander einstehen, sich besuchen. Wie singt es Thees in einem seiner Lieder:

Aber die Zukunft ist ungeschrieben
Die Zukunft ist so schön vakant
Und ich komme dich besuchen
Egal ob Stammheim oder Bundeskanzleramt.

Ich komme dich besuchen! Nach dieser Zeit. Oder schon währenddessen. So oder so: TROTZDEM